Am 24. September 2026 haben sich Kolleginnen der Sozialstation Eberswalde, des Pflegewohnheims „Zur Heegermühle“ und der AWO-Verwaltung an der Demonstration gegen die geplante Pflegereform in Frankfurt (Oder) beteiligt.
Der Regen hielt niemanden auf. Pflegekräfte, Pflegebedürftige, Angehörige und Unterstützer machten mit Megafon, Ratschen, Rasseln und viel Applaus ihrem Unmut über die geplanten Veränderungen Luft. Auch Seniorinnen und Senioren im Rollstuhl waren dabei.
Kundgebung und Protestmarsch
Um 13 Uhr begann die Kundgebung vor dem Rathaus. Drei Vertreter von Pflegediensten schilderten in ihren Redebeiträgen, welche Folgen sie von der geplanten Pflegereform für Pflegebedürftige, Angehörige und die tägliche Versorgung erwarten.
Anschließend ging es mit Protestmarsch und Autokorso weiter. Nach Angaben der Polizei waren 105 Fahrzeuge dabei. Über mehrere Kilometer gab es immer wieder Zuspruch von Passantinnen und Passanten sowie anderen Verkehrsteilnehmenden – Daumen hoch inklusive.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen aus unterschiedlichen Einrichtungen und Bereichen. Was sie verbindet, ist die Sorge, dass Einsparungen bei notwendigen Pflegeleistungen die Probleme nicht lösen, sondern lediglich verlagern.
Eine Kürzung ist noch keine Einsparung
Wenn professionelle Unterstützung wegfällt, verschwindet der Pflegebedarf nicht. Dann müssen Angehörige mehr übernehmen – und häufig ihre Arbeitszeit reduzieren oder ihre Berufstätigkeit ganz aufgeben. Besonders häufig betrifft das Frauen.
Die Folgen reichen damit weit über die einzelne Familie hinaus: Fachkräfte fehlen auf dem Arbeitsmarkt, Familien werden stärker belastet und zusätzliche Kosten entstehen an anderer Stelle – etwa bei Kommunen oder anderen Sozialleistungssystemen.
Deshalb sollte die Reform aus Sicht der AWO Barnim nicht bei Leistungskürzungen ansetzen, sondern bei den Strukturen: weniger Bürokratie, mehr Digitalisierung, bessere Zusammenarbeit und weniger Doppelstrukturen. So können Ressourcen effizienter eingesetzt werden, ohne notwendige Unterstützung für Pflegebedürftige abzubauen.
Denn Pflege und soziale Leistungen sind auch eine Voraussetzung dafür, dass Angehörige arbeiten können, Unternehmen Fachkräfte finden und Menschen möglichst selbstständig leben können.
Was kostet es, wenn die Leistung fehlt?
Bei der Bewertung von Reformen darf deshalb nicht nur gefragt werden, was eine Leistung kostet. Entscheidend ist auch, was es kostet, wenn sie nicht mehr da ist.
Die AWO Barnim unterstützt notwendige Reformen – aber mit einem klaren Ziel: Ein Sozial- und Pflegesystem, das einfacher, wirksamer und finanzierbar ist, ohne seine Kosten auf Pflegebedürftige, Angehörige und die Beschäftigten abzuwälzen.
Und der Protest in Frankfurt (Oder) dürfte nicht der letzte gewesen sein. Die Hupen unserer Dienstwagen haben den Einsatz jedenfalls nicht ganz unbeschadet überstanden.
Wiederholungsgefahr? Ganz klar. Wir werden gerade erst warm.

